Blog Teuflische Börsengedanken

Ho ho ho, die Weihnachtsrally an der Börse beginnt!

Sie kommt zuverlässiger als das Christkind: die Jahresendrally an den Aktienmärkten.

Als ich neulich im Supermarkt war, strahlten mich die ersten Schoko-Nikoläuse an.

Schoko Nikolaus Börse

Das weckte Zweifel in mir: Ist es ethisch vertretbar, Lebkuchen im September zu naschen? Schließlich könnte sich der Osterhase diskriminiert fühlen, da an Weihnachten noch keine Schoko-Hasen im Regal stehen. Leider kann ich diese Frage nicht beantworten.

Mir ist eine andere Idee gekommen: Vielleicht sollte ich es genauso wie die Läden machen und mich bereits im November für die Rally positionieren?

Eine teuflische Studie.

 

Der beste Einstieg in die Weihnachtsrally

Traditionsbewusste Anleger steigen am 19. Dezember ein und verkaufen um den 2. Januar herum, je nachdem, wann der erste Handelstag im neuen Jahr ist.

Ich breche gerne mit Traditionen: Ja, ich habe meine ersten Lebkuchenherzen im September genascht. Nein, es tut mir kein bisschen leid.

Deshalb möchte ich folgende Anlagezeiträume untersuchen:

  • 1. November – 2. Januar
  • 1. Dezember – 2. Januar
  • 19. Dezember – 2. Januar

Als Basiswert habe ich den DAX ausgewählt. Die meisten Leser leben in Deutschland und interessieren sich vorwiegend für deutsche Aktien. Zudem kannst du mit einem ETF sehr simpel auf den DAX spekulieren.

 

1. Kurz, aber oho!

Zuerst möchte ich den klassischen Zeitraum ab dem 19. Dezember untersuchen.

Da der heutige DAX am 31. Dezember 1987 auf 1.000 Punkte normiert wurde, beginne ich meine Studie mit dem Jahr 1988.

Klassische Weihnachtsrallye

Unter dem Strich macht das eine jährliche Rendite von 2,4 %. Das ist deine Performance, wenn du in den letzten 29 Jahren zu Weihnachten jeweils den gleichen Betrag (z. Bsp. immer 2.000 Euro) angelegt hättest.

Ich finde, das ist ein nettes Weihnachtsgeld.

Ein kleines Geschenk vom Nikolaus.

 

2. Aber die Adventsmärkte starten viel früher

Das ist ein Argument.

Deshalb habe ich als zweiten Untersuchungszeitraum den 1. Dezember herangezogen.

DAX Rendite Dezember bis Januar

Oh du höllisches Rentier!

Das sind aber wilde Kurssprünge. Diese Strategie ist deutlich volatiler. Historisch betrachtet hat sie 3,0 % an Rendite gebracht. Im Vergleich zur klassischen Taktik musst du mehr als doppelt so lange investiert sein.

Interessante Beobachtung: Du hättest während der Finanzkrise (2007-2009) ein Plus generiert. Das wäre aber auch bei der oberen Taktik der Fall gewesen.

 

3. Die Schoko-Nikolaus-Strategie

Trifft mich nun der Börsenblitz, weil ich zu früh Lebkuchen nasche?

Schauen wir uns den letzten Zeitraum ab dem 1. November an:

Schoko-Nikolaus-Strategie

Hier liegt die historische Rendite bei starken 5,8 % im Jahr. Hättest du Jahr für Jahr 1.000 Euro angelegt, hättest du im Schnitt 58 Euro erhalten. Das macht einen Gesamtgewinn von 1.682 Euro.

Doch es geht auch besser:

Du fängst ebenso mit 1.000 Euro an. Doch du lässt dir die Gewinne nicht auszahlen und zahlst auch sonst keine Gelder ein. Du investierst das Geld vom Vorjahr, wie es sich eben entwickelt hat. So wären aus 1.000 Euro teuflisch gute 4.795 Euro geworden!

Da es sich um eine Geldanlage von über 2 Monaten handelt, sind auch höhere Kursausschläge möglich. Vor allem die Jahre 1989 und 1999 trugen zum positiven Ergebnis bei. Größere Gewinne und Verluste sind auch künftig möglich.

 

Was macht die „Santa Claus Rally“ so interessant?

Alle vorgestellten Strategien hätten langfristig ein Plus generiert. Die Taktiken lassen sich simpel mit ETFs umsetzen.

Warum steigen die Aktien zum Jahresende überhaupt?

Endjahresrally

Dazu gibt es mehrere Theorien:

  • tolle Stimmung der Anleger (warum auch immer)
  • am Jahresende werden Boni ausgeschüttet, welche direkt in Aktien fließen
  • Fondsmanager verschönern ihre Positionen durch Zukäufe, notiert eine Aktie stark im Minus, kann dieser Verlust mit neuen Anteilen nach oben korrigiert werden
  • Tax-Loss-Selling-Hypothese: Einige Privatpersonen verkaufen gegen Jahresende ihre Aktien mit Kursverlusten, um von steuerlichen Vorteilen bzw. Freibeträgen zu profitieren. Diese Anteile werden am Jahresanfang wieder eingekauft.

Über die richtige Theorie wird gestritten.

Ich persönlich denke, dass an der Theorie mit den Fondsmanagern etwas dran sein könnte. Private Anleger lassen sich von den steigenden Kursen zu weiteren Käufen verleiten, was die Kurse nochmals nach oben treibt.

Vielleicht befindet sich der wahre Grund gar nicht auf dieser Liste.

 

Fazit: Schoko-Nikoläuse im November?

Aber klar doch!

Nimm dir ein Vorbild an den Supermärkten. Sie verkaufen Schoko-Nikoläuse im November, weil es sich lohnt. Das gilt auch für die Weihnachtsrally vom 1. November bis zum 2. Januar.

Es handelt sich jedoch um eine langfristige Anlagestrategie. Man sollte wenigstens 5 (eher 10) Jahre hintereinander investieren.

Ho ho ho, das Christkind kommt bald!

Okay, bald ist Ansichtssache. 😉

 

Hinweis: Der Artikel dient nur der Information und stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Ich war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht in die vorgestellten Finanzprodukte investiert.

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